
Guter Code und die Pizza-Metapher: Ein Montagmorgen mit Lerneffekt
- Stefan Poss
- Code comedy
- 19. Januar 2025
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Montagmorgen, 8 Uhr. Das Wochenende liegt noch wie eine warme Wolldecke über meinem Kopf, als der Wecker gnadenlos losbrüllt. Zwei Tassen Kaffee später – nein, ich lüge, es waren drei – und nachdem ich die Kinder wie ein DevOps-Ingenieur durch ihren Morgenprozess geschleust habe, sitze ich endlich am Schreibtisch. Alles, was ich will, ist ein ruhiger Start. Doch dann… betritt er den Raum.
Mein Junior-Entwickler. Dieses wandelnde Bündel aus Neugier, Nervosität und leichtem Koffeinentzug. Er ist wie ein ungetestetes Feature: voller Potenzial, aber mit der Garantie für unvorhergesehene Bugs.
Der Auftakt: Die Frage, die alles stoppt
„Hast du kurz Zeit?“ fragt er, seine Augen erwartungsvoll wie ein frisch initialisierter Debugger.
Habe ich Zeit? Natürlich nicht. Es ist Montag, und mein Gehirn bootet noch. Aber ich bin Mentor und – Gott helfe mir – Optimist. Also nicke ich. „Klar, worum geht’s?“
„Ist mein Code gut?“
Bam. Ein harmlos aussehender Satz, aber jeder erfahrene Entwickler weiß: Das ist keine Frage. Das ist ein Panik-Knopf. Eine Rekursion aus Zweifeln, Meinungen und – wenn man nicht aufpasst – endlosen Diskussionen.
Was bedeutet „gut“ überhaupt?
Ich sehe ihn an. Er sieht mich an. Es ist, als ob wir beide auf einen Stack-Overflow-Artikel warten, der die Frage für uns klärt.
„Was meinst du mit ‚gut‘?“ frage ich schließlich.
„Naja, halt… funktioniert, nicht zu kompliziert, und der Linter meckert nicht.“
Ah, der Klassiker. Der Glaube, dass ein stiller Linter und eine funktionierende Anwendung das Siegel für Perfektion sind. Aber ich lasse ihn in seinem naiven Glauben nicht hängen. Schließlich bin ich nicht nur ein Lead Developer – ich bin auch Lehrer, Entertainer und gelegentlich Therapeut.
Der Pizza-Vergleich: Mein persönlicher Montagshack
„Weißt du“, sage ich mit dem Anflug eines Grinsens, „guter Code ist wie Pizza.“
„Pizza?“ Er schaut mich an, als hätte ich gerade gesagt, dass Tabs besser sind als Spaces.
„Ja, Pizza. Jeder mag sie. Aber perfekte Pizza? Das ist Geschmackssache. Manche mögen viel Käse, andere dünnen Teig. Und dann gibt’s die, die Ananas drauflegen…“
„Ananas gehört nicht auf Pizza“, unterbricht er prompt.
„Falsch.“ Ich hebe die Hand. „Ananas gehört auf Pizza. Warum? Weil die perfekte Kombination aus süß, salzig und deftig einfach unschlagbar ist. Und bevor du fragst: Nein, ich diskutiere das nicht.“
Er kichert. Ein kleiner Sieg für den Montagmorgen. Aber bevor er denkt, dass ich hier nur für schlechte Metaphern da bin, ziehe ich die Diskussion wieder zurück zu etwas Handfestem.
Die fünf goldenen Zutaten für guten Code
„Aber ernsthaft, guter Code braucht – wie Pizza – die richtigen Zutaten. Es gibt ein paar Kriterien, die ihn objektiv besser machen. Hier sind meine fünf wichtigsten:
Lesbarkeit Code ist für Menschen geschrieben. Nicht für Maschinen. Wenn dein Kollege (oder du selbst in sechs Monaten) deinen Code nicht versteht, ist er nicht gut. Saubere Namen, klare Struktur und sinnvolle Kommentare sind Pflicht.
Wartbarkeit Guter Code ist wie ein Modul in einem Lego-Set: einfach auseinanderzunehmen und neu zusammenzusetzen. Wenn ich Angst habe, deinen Code zu ändern, hast du verloren.
Fehlerfreiheit Tests sind nicht optional. Ohne Tests ist dein Code wie eine Brücke, die gebaut wurde, ohne jemals jemandem zu sagen, dass sie existiert.
Eindeutigkeit Mach keinen Ballast. Redundanz und unnötige Komplexität sind die Ananas auf der Pizza des schlechten Codes (ja, ich widerspreche mir hier, aber es ist Montag).
Standardkonformität Dein Code sollte sich in die Team-Standards einfügen wie Käse auf den Pizzateig. Niemand mag einen Cowboy-Coder, der sein eigenes Ding macht.“
Das Fazit: Ist dein Code gut?
Ich lehne mich zurück, nehme einen Schluck aus meiner mittlerweile kalten Tasse Kaffee und sehe, wie mein Junior-Entwickler nachdenklich nickt. „Okay“, sagt er.
„Gut“, erwidere ich. „Jetzt geh zurück, überprüf deinen Code anhand dieser Punkte – und bring mir beim nächsten Mal Kaffee mit.“
Er grinst und verschwindet, nur um eine halbe Stunde später wieder aufzutauchen.
„Du“, beginnt er, „was genau meinst du mit ‚Lesbarkeit‘?“
Ich seufze tief. Manchmal fühlt sich der Job an wie ein Endlosloop. Aber genau deswegen liebe ich ihn.
Schlussgedanke: Guter Code ist wie eine Team-Pizza
Guter Code entsteht nicht im Alleingang. Er ist das Ergebnis von Diskussion, Zusammenarbeit und ständiger Verbesserung. Und wenn du dich das nächste Mal fragst, ob dein Code „gut“ ist, denk an die Pizza: Sie muss nicht jedem schmecken – aber sie sollte immer mit Sorgfalt und Liebe zubereitet werden.
Und wenn das nicht hilft, frag deinen Lead. Aber bring Kaffee mit. 😉